Dosierung bei Niereninsuffizienz
Ethinylestradiol
 
Q0 * etwa 0.8 [5,6]
HWZ ** 14 h [3,4]
Aktive Metaboliten Bekannte Metaboliten inaktiv [7].
UAW an der Niere und Harnwegen Häufigkeit nicht bekannt: Flüssigkeitsretention [8].
In Fallberichten wurde über thrombotische Mikroangiopathien berichtet [9-11].
In Patienten mit Diabetes mellitus wurde über ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Makroproteinurie unter oralen Kontrazeptiva berichtet [13].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Ein erhöhtes Risiko ist nicht beschrieben [3,8].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei fünf Peritonealdialyse-Patienten war die Arzneimittelclearance nach wiederholter Gabe im Mittel von 0,5 auf 0,3 l/h erniedrigt und die Halbwertszeit von 14,3 auf 15,7 h verlängert [4].
In einer retrospektiven Studie wurden 26 nierentransplantierte Patientinnen untersucht, die mindestens 18 Monate lang niedrig dosierte Kontrazeptiva einnahmen. Bei keiner der Patientinnen ist eine Schwangerschaft aufgetreten, es wurden keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen in Bezug auf die Nierenfunktion berichtet. Bei zwei Patientinnen wurde die Therapie aufgrund einer tiefen Venenthrombose bzw. einer Verschlechterung der Leberfunktion abgebrochen [1].
Orale Kontrazeptiva sind eine mögliche Ursache für thrombotische Mikroangiopathien [9-11]. In einem Fallbericht wird die dreiwöchige Einnahme eines oralen Kontrazeptivums (Ethinylestradiol und Norgestrel) mit einer Transplantatabstoßung assoziiert [2].
Renale Kontraindikation Eine eingeschränkte Nierenfunktion stellt für sich genommen keine Gegenanzeige dar [3,8,12].
Begleiterkrankungen, die bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung häufig sind, können jedoch zu einer Gegenanzeige führen (z.B. hohes Risiko für venöse oder arterielle Thromboembolien) [8].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Bei Niereninsuffizienz:
- Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei der Verordnung berücksichtigen
- Monitoring
-- Flüssigkeitsretention
-- Blutdruck
-- Proteinurie
 
Referenzen
  1. Pietrzak B, Kaminski P, Wielgos M, Bobrowska K, Durlik M. Combined oral contraception in women after renal transplantation. Neuro Endocrinol Lett 2006;27:679-82.
  2. Shirai H, Yashima J, Tojimbara T, Honda K. Thrombotic microangiopathy caused by oral contraceptives in a kidney transplant recipient. Nephrology (Carlton) 2016;21 Suppl 1:41-3.
  3. SmPC 06/2016: Ethinylestradiol Tablets BP 10 mcg
  4. Price TM, Dupuis RE, Carr BR, Stanczyk FZ, Lobo RA, Droegemueller W. Single- and multiple-dose pharmacokinetics of a low-dose oral contraceptive in women with chronic renal failure undergoing peritoneal dialysis. Am J Obstet Gynecol 1993;168:1400-6.
  5. Reed MJ, Fotherby K, Steele SJ. Metabolism of ethynyloestradiol in man. J Endocrinol 1972;55:351-61. (Abstract)
  6. Kulkarni BD, Goldzieher JW. A preliminary report on urinary excretion pattern and method of isolation of 14C-ethynylestradiol metabolites in women. Elsevier BV 1970;1:47-55.
  7. Goldzieher JW, Stanczyk FZ. Oral contraceptives and individual variability of circulating levels of ethinyl estradiol and progestins. Contraception 2008;78:4-9.
  8. Fachinformation velvet-ratiopharmŪ 0,03 mg/, Stand Dezember 2018
  9. Brown CB, Clarkson AR, Robson JS, Cameron JS, Thomson D, Ogg CS. Haemolytic uraemic syndrome in women taking oral contraceptives. Lancet 1973;1:1479-81.
  10. Morel-Maroger L, Kanfer A, Solez K, Sraer JD, Richet G. Prognostic importance of vascular lesions in acute renal failure with microangiopathic hemolytic anemia (hemolytic-uremic syndrome): clinicopathologic study in 20 adults. Kidney Int 1979;15:548-58.
  11. Al-Nouri ZL, Reese JA, Terrell DR, Vesely SK, George JN. Drug-induced thrombotic microangiopathy: a systematic review of published reports. Blood 2015;125:616-8.
  12. Burgner A, Hladunewich MA. Women's Reproductive Health for the Nephrologist. Am J Kidney Dis 2019;xx:xx.
  13. Ahmed SB, Hovind P, Parving HH, Rossing P, Price DA, Laffel LM, Lansang MC, Stevanovic R, Fisher ND, Hollenberg NK. Oral contraceptives, angiotensin-dependent renal vasoconstriction, and risk of diabetic nephropathy. Diabetes Care 2005;28:1988-94.
 
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Letzte Aktualisierung: 23.07.2019