Dosierung bei Niereninsuffizienz
Perindopril
 
Q0 * etwa 0.4 Schätzwert anhand von pharmakokinetischen Änderungen bei Niereninsuffizienz [7].
HWZ ** 1 h [6]
Allgemeines Viele ACE-Hemmer werden überwiegend renal eliminiert. Bei der Entscheidung, ob eine Dosisanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion durchgeführt werden sollte, ist die jeweilige Indikation zu berücksichtigen:
Arterielle Hypertonie: Dosisanpassung sinnvoll
Nephroprotektion: evtl. keine Dosisanpassung, da hohe Konzentrationen für eine maximale Wirkung sinnvoll sein können [11]
Aktive Metaboliten Perindoprilat, HWZ 5 Stunden bzw. terminale HWZ 17 Stunden [6,7].
UAW an der Niere und Harnwegen Gelegentlich: Niereninsuffizienz, sehr selten: akutes Nierenversagen [6].
ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten und Renin-Hemmer können im Glomerulum zu einem Filtratabfall (durch Dilatation des Vas efferens) und damit zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Dies betrifft insbesondere Patienten mit erhöhter Aktivität des Renin-Angiotensin-Systems sowie Patienten mit beidseitiger Nierenarterienstenose.
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Patienten mit Niereninsuffizienz besteht ein erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie [10].
Bei Niereninsuffizienz scheint das Risiko für eine ACE-Hemmer assoziierte Neutropenie/Agranulozytose erhöht zu sein [1,2]. Die meisten Fälle sind unter Captopril beschrieben, aber auch für andere ACE-Hemmer liegen vereinzelte Fallberichte vor [4,3,5].
Bei Anwendung von Polyacrylnitril-Membranen (AN69) im Rahmen einer Dialyse und gleichzeitiger Behandlung mit einem ACE-Hemmer wurde über anaphylaktoide Reaktionen berichtet [8,9].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei hochgradiger Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 4,1 ml/min) war die Halbwertszeit des aktiven Metaboliten Perindoprilat auf 31 Stunden verlängert [7]. Perindopril und Perindopril-Metaboliten werden durch Hämodialyse eliminiert [7].
Renale Kontraindikation Signifikante bilaterale Nierenarterienstenose oder Stenose der Nierenarterie bei nur einer funktionsfähigen Niere [6].
Gleichzeitige Einnahme von Aliskiren bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion mit GFR < 60 ml/min/1,73 m{sup}2{/sup} [6].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Bei Patienten mit leichtgradiger Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance >60 ml/min) ist keine Dosisanpassung erforderlich.
- Kreatinin-Clearance 30 - < 60 ml/min: 2,5 mg pro Tag
- Kreatinin-Clearance < 30 ml/min: 2,5 mg jeden zweiten Tag
- Hämodialyse-Patienten: 2,5 mg nur am Dialysetag (nach Dialyse).
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Aliskiren und GFR < 60 ml/min/1,73 m{sup}2{/sup} ist Perindopril kontraindiziert.
Monitoring:
Bei Behandlungsbeginn sollte nach 3-7 Tagen eine Kontrolle der Kreatinin- und Kalium-Werte durchgeführt werden. In dieser Situation ist ein mäßiger Anstieg des Kreatinins zu erwarten (sofern nicht bereits zuvor mit einem anderen ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Renin-Hemmer behandelt wurde). Deshalb kann je nach klinischer Situation des Patienten ein Kreatininanstieg bis etwa 30 % akzeptabel sein, muss aber kurzfristig kontrolliert werden. Die Häufigkeit weiterer Kontrollen hängt von den Werten, der Begleitmedikation und der Nierenfunktion ab [12,13].
 
Referenzen
  1. Cooper RA. Captopril-associated neutropenia. Who is at risk? Arch Intern Med 1983;143:659-60.
  2. Weber MA. Safety issues during antihypertensive treatment with angiotensin converting enzyme inhibitors. Am J Med 1988;84:16-23.
  3. Elis A, Lishner M, Lang R, Ravid M. Agranulocytosis associated with enalapril. DICP 1991;25:461-2.
  4. Horowitz N, Molnar M, Levy Y, Pollack S. Ramipril-induced agranulocytosis confirmed by a lymphocyte cytotoxicity test. Am J Med Sci 2005;329:52-3.
  5. Clark D. Benazepril and agranulocytosis: a possible rare adverse reaction involving ACE inhibitors as a class. WHO Pharm Newsletter 2003;2:9.
  6. Fachinformation CoversumŽ Arginin 10 mg Filmtabletten, Stand Februar 2018
  7. Verpooten GA, Genissel PM, Thomas JR, De Broe ME. Single dose pharmacokinetics of perindopril and its metabolites in hypertensive patients with various degrees of renal insufficiency. Br J Clin Pharmacol 1991;32:187-92.
  8. Tielemans C, Madhoun P, Lenaers M, Schandene L, Goldman M, Vanherweghem JL. Anaphylactoid reactions during hemodialysis on AN69 membranes in patients receiving ACE inhibitors. Kidney Int 1990;38:982-4.
  9. Verresen L, Waer M, Vanrenterghem Y, Michielsen P. Angiotensin-converting-enzyme inhibitors and anaphylactoid reactions to high-flux membrane dialysis. Lancet 1990;336:1360-2.
  10. Raebel MA. Hyperkalemia associated with use of angiotensin-converting enzyme inhibitors and angiotensin receptor blockers. Cardiovasc Ther 2012;30:e156-66.
  11. Francois H, Jacquet A, Beaudreuil S, Seidowsky A, Hebibi H, Charpentier B, Durrbach A. Emerging strategies to preserve renal function. J Nephrol 2011;24:133-41.
  12. Ahmed A. Use of angiotensin-converting enzyme inhibitors in patients with heart failure and renal insufficiency: how concerned should we be by the rise in serum creatinine? J Am Geriatr Soc 2002;50:1297-300.
  13. Bakris GL, Weir MR. Angiotensin-converting enzyme inhibitor-associated elevations in serum creatinine: is this a cause for concern? Arch Intern Med 2000;160:685-93.
 
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Letzte Aktualisierung: 12.02.2019