Dosierung bei Niereninsuffizienz
Tenofovir disoproxil
 
Q0 * etwa 0.01 Schätzwert für Tenofovir anhand von pharmakokinetischen Änderungen bei Niereninsuffizienz [1,6,7].
HWZ ** 18 h [1,6,7].
Aktive Metaboliten Tenofovir disoproxil fumarat -> Tenofovir -> Tenofovirdiphosphat (intrazellulär) [1].
UAW an der Niere und Harnwegen Tenofovir ist tubulo-toxisch. Das klinische Spektrum reicht von Phosphaturie bis hin zum akuten Nierenversagen [2-5].
Der Hersteller gibt folgende Häufigkeiten an:
Gelegentlich: Erhöhter Kreatininwert.
Selten: Nierenversagen, akute Tubulusnekrose, proximale renale Tubulopathie (einschließlich Fanconi Syndrom), Nephritis (einschließlich akuter interstitieller Nephritis), nephrogener Diabetes insipidus [1].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei Patienten mit hochgradiger Niereninsuffizienz war die Plasma-Tenofovir-AUC 8,5-fach erhöht. Bei Dialysepatienten lagen die Konzentrationen 48 Stunden nach Gabe nur gering unter der maximalen Konzentration. Tenofovir ist effektiv dialysierbar (während einer 4h Hämodialyse wird etwa 50% eliminiert) [6].
Renale Kontraindikation Bei Patienten mit Kreatinin-Clearance < 30 ml/min wird die Anwendung nicht empfohlen [1].
Anmerkung: Bei Kombinationspräparaten liegt die Grenze in der Regel höher, da eine Dosisanpassung von Tenofovir nicht möglich ist.
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Der Hersteller gibt als mögliche Dosierung an:
- Kreatinin-Clearance 30-<50 ml/min: Gabe alle 48 Stunden.
- Kreatinin-Clearance <30 ml/min: Gabe alle 72-96 Stunden (zweimal wöchentlich).
- Hämodialysepatienten: Gabe alle 7 Tage (nach Hämodialyse).
Monitoring: Kreatinin, Serumphosphat
- im ersten Behandlungsjahr alle vier Wochen, danach alle drei Monate
- öfter bei Risiko für Nierenfunktionsstörungen bzw. bei renalen Nebenwirkungen
- wöchentlich bei gleichzeitiger Anwendung von Tenofovir und anderen nephrotoxischen Wirkstoffen
- Kontrolle innerhalb einer Woche bei Serumphosphat <1.5 mg/dl oder Kreatinin-Clearance <50 ml/min.
 
Referenzen
  1. Fachinformation VIREAD 245mg, FiTab (Gilead), Stand April 2015
  2. Herlitz LC, Mohan S, Stokes MB, Radhakrishnan J, D’Agati VD and Markowitz GS. Tenofovir nephrotoxicity: acute tubular necrosis with distinctive clinical, pathological, and mitochondrial abnormalities. Kidney Int 2010;78:1171-77.
  3. Perazella MA. Tenofovir-induced kidney disease: an acquired renal tubular mitochondriopathy. Kidney Int 2010; 78:1060-63.
  4. Horberg M, Tang B,Towner W, Silverberg M, Bersoff-Matcha S, Hurley L, Chang J, Blank J, Quesenberry C, Klein D. Impact of tenofovir on renal function in HIV-infected, antiretroviral-naive patients. J Acquir Immune Defic Syndr 2010;53:62-9.
  5. Campbell LJ, Hamzah L, Post FA. Is Tenofovir-related renal toxicity incompletely reversible? J Acquir Immune Defic Syndr 2010; 56: 95-103.
  6. Kearney BP, Yale K, Shah J, Zhong L, Flaherty JF. Pharmacokinetics and dosing recommendations of tenofovir disoproxil fumarate in hepatic or renal impairment. Clin Pharmacokinet. 2006;45:1115-24.
  7. Winston A, Amin J, Mallon P, Marriott D, Carr A, Cooper DA, Emery S. Minor changes in calculated creatinine clearance and anion-gap are associated with tenofovir disoproxil fumarate-containing highly active antiretroviral therapy. HIV Med 2006;7:105-11.
 
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Letzte Aktualisierung: 21.10.2016