Dosierung bei Niereninsuffizienz
Certoparin natrium
 
Q0 * 0.5 Schätzwert beruhend auf Dalteparin [9].
HWZ ** 4.2 h bezogen auf anti-Xa-Aktivität [1].
Aktive Metaboliten Nicht beschrieben [1].
UAW an der Niere und Harnwegen Spezifische UAW an Nieren und Harnwegen sind nicht beschrieben [1], offene oder okkulte Blutungskomplikationen können jedoch auch am Urogenitalsystem auftreten.
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist eine erhöhte Blutungsneigung zu erwarten [1,2,4].
Bei Patienten mit hochgradiger Niereninsuffizienz (GFR <30 ml/min) und prophylaktischer Dosierung war das Risiko schwerer Blutungen von 0.33 auf 2.06% erhöht [6].
Das Risiko unter Certoparin eine Hyperkaliämie zu entwickeln, kann bei Niereninsuffizienz erhöht sein [1].
Studien bei Niereninsuffizienz Die AUC bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist nach Angaben des Herstellers erhöht [1].
In Intensiv-Patienten gab es Hinweise, dass eine verminderte Nierenfunktion mit einer erhöhten Wirksamkeit von Certoparin einhergeht, was auf eine verminderte Certoparin-Clearance schließen lässt [3].
Renale Kontraindikation Prophylaktische Dosierung: Bei schwerer Niereninsuffizienz mit Vorsicht anwenden [5].
Therapeutische Dosierung: Bei schwerer Niereninsuffizienz nicht empfohlen [1].
Besondere Vorsicht ist notwendig, wenn Certoparin bei Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Nierenfunktion oder mit Nieren- oder Blasensteinen angewendet wird [1].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
"Low-dose" Antikoagulation:
Laut Hersteller ist keine Dosisanpassung bei Patienten mit Niereninsuffizienz nötig [5].
Monitoring: besonders engmaschige Kontrolle auf Blutungszeichen. Desweiteren sollte das Serumkalium kontrolliert werden.
"Full-dose" Antikoagulation:
Laut Hersteller ist bei Patienten mit GFR >30 ml/min keine Dosisanpassung notwendig [1].
Bei GFR <30 ml/min wird Certoparin in therapeutischer Dosierung nicht empfohlen.
Monitoring: besonders engmaschige Kontrolle auf Blutungszeichen. Desweiteren sollte das Serumkalium kontrolliert werden.
Antikoagulation während Hämodialyse: Die notwendige Dosis muss individuell gefunden werden [7,8,10].
- Stufe 1: Bolus 3.000 IE
- Stufe 2: Bolus 3.600 IE
- Stufe 3: Bolus 4.200 IE
- Stufe 4: Bolus 3.000 IE + 600 IE/h bis 1 h vor Ende der Dialyse
- Stufe 5: Bolus 3.600 IE + 600 IE/h bis 1 h vor Ende der Dialyse
- Stufe 6: Bolus 4.200 IE + 600 IE/h bis 1 h vor Ende der Dialyse
Monitoring: besonders engmaschige Kontrolle auf Blutungszeichen, Kontrolle des Serumkaliums.
 
Referenzen
  1. Fachinformation Mono-Embolex® 8000 I.E. Therapie, Stand September 2012
  2. Schmid P, Fischer AG, Wuillemin WA. Low-molecular-weight heparin in patients with renal insufficiency. Swiss Med Wkly 2009;139:438-52.
  3. Jochberger S, Mayr V, Luckner G, Fries DR, Mayr AJ. Antifactor Xa activity in critically ill patients receiving antithrombotic prophylaxis with standard dosages of certoparin: a prospective, clinical study. Crit Care 2005;9:R541-8.
  4. Darius H, Hester K, Sanderink GJ, Paar WD. Antithrombotische Therapie mit niedermolekularen Heparinen bei Niereninsuffizienz. J Kardiol 2004;11:313-6.
  5. Fachinformation Mono-Embolex® 3000 I.E. PROPHYLAXE, Stand April 2012
  6. Bauersachs R, Schellong SM, Haas S, Tebbe U, Gerlach HE, Abletshauser C, Sieder C, Melzer N, Bramlage P, Riess H. CERTIFY: prophylaxis of venous thromboembolism in patients with severe renal insufficiency. Thromb Haemost. 2011;105:981-8.
  7. Fachinformation Mono-Embolex® multi 3000 I.E/0,5 ml Injektionslösung, Stand Oktober 2013
  8. Dorsch O, Krieter DH, Lemke HD, Fischer S, Melzer N, Sieder C, Bramlage P, Harenberg J. A multi-center, prospective, open-label, 8-week study of certoparin for anticoagulation during maintenance hemodialysis--the membrane study. BMC Nephrol 2012;13:50.
  9. Schmid P, Brodmann D, Odermatt Y, Fischer AG, Wuillemin WA. Study of bioaccumulation of dalteparin at a therapeutic dose in patients with renal insufficiency. J Thromb Haemost 2009;7:1629-32.
  10. Czock D, Sommerer C. Niedermolekulare Heparine bei Niereninsuffizienz - Was ist bei der Anwendung zu beachten? Dialyse aktuell 2015; 19 (2): 78-85.
 
Alle Angaben richten sich ausschließlich an Ärzte, Zahnärzte und Apotheker und sind anhand der zitierten Quellen erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. Für die zu treffende Therapieentscheidung sind außerdem die individuelle Situation des Patienten sowie die jeweils aktuelle Fachinformation des einzusetzenden Arzneimittels zu berücksichtigen. Haftungsansprüche jeglicher Art aus den gemachten Angaben sind ausgeschlossen. Für Hinweise und Anregungen senden Sie uns bitte eine E-Mail. Patientenindividuelle Anfragen können leider nicht beantwortet werden.
 
Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 1998 - 2017 Abt. Klinische Pharmakologie & Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg. Bitte beachten Sie unseren Haftungsausschluss.
Letzte Aktualisierung: 29.01.2015