Dosierung bei Niereninsuffizienz
Lomustin
 
Q0 * unbekannt [1,2].
HWZ ** 3.3 h lange terminale HWZ 50h [1,5].
Allgemeines CCNU (= Lomustin) zerfällt unter physiologischen Bedingungen in seine Metaboliten. Unverändertes CCNU ist im Plasma nicht nachweisbar. Die HWZ bezieht sich auf 4-Hydroxy-CCNU. [1]
Aktive Metaboliten Alkyldiazohydroxid: wirkt alkylierend auf die Cytosin- und Guaninmoleküle der DNS und führt zu DNS-Strangvernetzungen.
Alkylisocyanat: reagiert unter Carbamoylierung mit zelleigenen Proteinen [1].
UAW an der Niere und Harnwegen Gelegentlich wurde nach längerer Therapie mit Lomustin über Nierenversagen berichtet. Die kumulative Dosis war in diesen Fällen höher als 1.500 mg/m2. Ein Auftreten von Nierenversagen auch bei niedrigeren Dosen ist jedoch nicht ausgeschlossen. Daher sollte eine maximale Lomustindosis von 1.000 mg/m2 nicht überschritten werden [1,3,7,8].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Nicht beschrieben [1].
Studien bei Niereninsuffizienz Nicht beschrieben [1].
Renale Kontraindikation Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion ist die Anwendung von Lomustin kontraindiziert [1].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Laut Fachinformation des Herstellers ist bei eingeschränkter Nierenfunktion die Dosis zu reduzieren. Näheren Angaben werden jedoch keine gemacht. Bei GFR <30 ml/min ist die Anwendung von Lomustin kontraindiziert [1].
Kintzel et al. empfehlen folgende Dosisanpassungen [2]:
GFR 46-60 ml/min: 75% der normalen Dosis
GFR 31-45 ml/min: 70% der normalen Dosis
GFR ≤30 ml/min: Therapie mit Lomustin vermeiden.
Aronoff et al. empfehlen folgende Dosisanpassungen [4]:
GFR 10-50 ml/min: 75% der normalen Dosis
GFR <10 ml/min: 25-50% der normalen Dosis
Hämodialyse: Keine zusätzliche Dosis nach Dialyse notwendig.
Peritonealdialyse (CAPD): 25-50% der normalen Dosis.
Kommentar: Die Datengrundlage dieser Empfehlung erscheint fraglich [6], da dort Radioaktivität gemessen wurde, was keine Differenzierung von aktiven und inaktiven Metaboliten erlaubt und die Rolle der Niere bei der Elimination aktiver Substanz eher überschätzt (intaktes Lomustin war auch im Urin nicht nachweisbar). Deshalb kann derzeit keine verlässliche Empfehlung gegeben werden. Bei klinischer Indikation und fehlenden Therapiealternativen sollte eine empirische initiale Dosisreduktion mit Dosissteigerung im Verlauf (bis zur normalen Dosis, bei entsprechender Verträglichkeit) erwogen werden.
 
Referenzen
  1. Fachinformation Cecenu, Stand September 2007
  2. Kintzel PE and Dorr RT. Anticancer Drug Renal Toxicity and Elimination: Dosing Guidelines for Altered Renal Function. Cancer Treat Rev 1995;1:33-64.
  3. Harmon WE, Cohen HJ, Schneeberger EE, Grupe WE. Chronic renal failure in children treated with methyl CCNU. N Engl J Med 1979;300:1200-3.
  4. Aronoff GR, Bennett WM, Berns JS, et al. Drug prescribing in renal failure: dosing guidelines for adults and children. 5th ed. Philadelphia, PA: American College of Physicians; 2007. (Lomustine to be accessed under term "Nitrosoureas"); http://kdpnet.louisville.edu/renalbook/adult/id/340/; accessed 15.11.2010
  5. Kastrissios H, Chao NJ, Blaschke TF. Pharmacokinetics of high-dose oral CCNU in bone marrow transplant patients. Cancer Chemother Pharmacol 1996;38:425-30.
  6. Sponzo RW, DeVita VT, Oliverio VT. Physiologic disposition of 1-(2-chloroethyl)-3-cyclohexyl-1-nitrosourea (CCNU) and 1-(2-chloroethyl)-3-(4-methyl cyclohexyl)-1-nitrosourea (Me CCNU) in man. Cancer 1973;31:1154-9.
  7. Ellis ME, Weiss RB, Kuperminc M. Nephrotoxicity of lomustine. A case report and literature review. Cancer Chemother Pharmacol 1985;15:174-5.
  8. Schacht RG, Feiner HD, Gallo GR, Lieberman A, Baldwin DS. Nephrotoxicity of nitrosoureas. Cancer 1981;48:1328-34.
 
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Letzte Aktualisierung: 23.03.2011