Dosierung bei Niereninsuffizienz
Bendamustin
 
Q0 * ≥ 0.9 [1,3].
HWZ ** 34 min [1,3].
Aktive Metaboliten Zahlreiche Metaboliten (z.B. Betahydroxy-Bendamustin) beschrieben, aber nicht abschließend untersucht [2].
In-vitro Studien weisen darauf hin, dass es sich bei den Metaboliten M3 (Gammahydroxy-Bendamustin) und M4 (N-Desmethyl-Bendamustin) um aktive Metaboliten handelt. Allerdings liegt deren Plasmakonzentration bei 10% bzw. 1% der Konzentration von Bendamustin. Es wird vermutet, dass die zytotoxische Aktivität hauptsächlich von Bendamustin ausgeht. Die HWZ von M3 beträgt 3 Stunden und von M4 30 Minuten [3].
UAW an der Niere und Harnwegen Tierexperimentell traten histologisch tubuläre Veränderungen der Niere auf [1].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Nicht beschrieben [1,3].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance >10 ml/min einschließlich dialyseabhängiger Patienten konnte kein signifikanter Unterschied zu Patienten mit normaler Leber- und Nieren-Funktion in Bezug auf Cmax, tmax, AUC, t1/2ß, Verteilungsvolumen und Clearance beobachtet werden [1].
Laut FDA Labelinformation wurde eine Studie mit 31 niereninsuffizienten Patienten (Kreatinin-Clearance 40-80 ml/min) durchgeführt. Es zeigte sich keine nennenswerten Veränderungen in der Kinetik von Bendamustin [3].
An 12 gesunden Probanden und 12 Patienten mit multiplem Myelom inkl. schwerer Niereninsuffizienz (5 Patienten mit kontinuierlicher Hämodialyse) konnte gezeigt werden, dass keine Veränderungen in der Kinetik von Bendamustin auftreten. Ebenfalls wird Bendamustin im gleichen Umfang dialysiert, wie es renal eliminiert wird [4].
Auch in Kombination mit Thalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason war keine Dosisanpassung bei Patienten mit multiplem Myelom und einer GFR ≤ 30ml/min notwendig [5].
Renale Kontraindikation Keine angegeben [1].
Der US-Hersteller von Bendamustin (Treanda®) empfiehlt aufgrund fehlender Daten keine Anwendung von Treanda® bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <40 ml/min [3], während in der deutschen Fachinformation >10 ml/min Kreatinin-Clearance keine Dosisanpassung empfohlen wird [1].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Da der Q0-Wert von Bendamustin hoch ist, ist keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion notwendig. Bei vielen Arzneimitteln mit hohem Q0-Wert entstehen renal eliminierte Metaboliten, deren Aktivität nicht immer bekannt ist. Entsprechend ist bei schweren Einschränkungen der Nierenfunktion grundsätzlich Vorsicht geboten.
 
Referenzen
  1. Fachinformation Ribomustin, Stand April 2009
  2. Chovan JP, Li F, Yu E, Ring SC. Metabolic profile of [(14)C]bendamustine in rat urine and bile: preliminary structural identification of metabolites. Drug Metab Dispos 2007;35:1744-53.
  3. FDA Labelinformation Treanda. Stand Dezember 2010.
  4. Preiss R, Teichert J, Pönisch W, Niederwieser D, Matthias M, Merkle K. Bendamustine in patients with multiple myeloma and renal insufficiency. Onkologie 2003;26:S131.
  5. Ramasamy K, Hazel B, Mahmood S, Corderoy S, Schey S. Bendamustine in combination with thalidomide and dexamethasone is an effective therapy for myeloma patients with end stage renal disease. Br J Haematol 2011[Epub ahead of print].
 
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Letzte Aktualisierung: 23.08.2011