Dosierung bei Niereninsuffizienz
Tranexamsäure
 
Q0 * 0.03 [1-4,8]
HWZ ** 2 h [2]
Aktive Metaboliten Keine bekannt [2].
UAW an der Niere und Harnwegen Nicht beschrieben [2].
In Fallberichten wurde über ein akutes Nierenversagen berichtet [7].
In einer Fallserie wurde über 18 Frauen berichtet, die bei schweren postpartalen Blutungen mit Tranexamsäure behandelt wurden und ein akutes Nierenversagen entwickelten (weitere Faktoren: Volumenmangel, disseminierte intravasale Gerinnung) . Die Nierenfunktion erholte sich nur unvollständig, 8 blieben dialysepflichtig. Ein schwerer Verlauf war mit einer längeren Behandlungsdauer (7.1 vs. 2.9 Stunden) assoziiert [15].
Bei einer Patientin mit terminaler Niereninsuffizienz nach Nierentransplantation fand sich ein Thrombus im Nierenbecken, welcher zu einer moderaten Hydronephrose führte und möglicherweise durch die Tranexamsäure-Gabe begünstigt wurde [14].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten In Fallberichten wurden in Dialysepatienten neurologische UAW beobachtet (Sehstörung, Desorientierung, multifokale Myoklonien, generalisierte Krämpfe). In den meisten Berichten wurden Tranexamsäure-Tagesdosen ≥ 2g angewendet. In einem Fall war einmalig 1 g intravenös gegeben worden [9-11,14].
Studien bei Niereninsuffizienz In Patienten mit hochgradiger Niereninsuffizienz war die Halbwertszeit auf 35 (19-67) Stunden verlängert [5].
Studien zur Elimination von Tranexamsäure durch Hämodialyse liegen nicht vor. Angesichts der niedrigen Plasma-Proteinbindung (3%), des geringen Verteilungsvolumens und des geringen Molekulargewichts (157 Da) ist eine gute Elimination durch Hämodialyse zu erwarten.
In einem Fallbericht wurde ein Dialysepatient mit disseminierter intravasaler Gerinnung erfolgreich mit Tranexamsäure + Danaparoid behandelt [6].
Insgesamt 20 Patienten unter Dialyse und mit mehrmaligen Episoden gastro-intestinaler Blutungen wurden erfolgreich mit Tranexamsäure (beginnend mit einmalig 20 mg i.v., gefolgt von 10 mg/kg KG/48 h oral für 4 Wochen) behandelt [12].
Ein Patient mit subduralen und intracerebralen Blutungen unter Hämodialyse wurde erfolgreich mit 20 mg/kg KG/48 h i.v. für 4 Wochen gefolgt von 10 mg/kg KG/48 h oral für weitere 4 Wochen behandelt [13].
Renale Kontraindikation Keine angegeben [2].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) für die Erhaltungsdosis bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Der Hersteller empfiehlt für die intravenöse Therapie
- Kreatinin 1,35-2,82 mg/dl (120-249 µmol/l): 10 mg/kg alle 12 Stunden
- Kreatinin 2,82-5,65 mg/dl (250-500 µmol/l): 10 mg/kg alle 24 Stunden
- Kreatinin >5,65 mg/dl (>500 µmol/l): 5 mg/kg alle 24 Stunden iv [2] oder 10 mg/kg alle 48 Stunden [3].
Der Hersteller empfiehlt für die orale Therapie:
- Kreatinin 1,35-2,82 mg/dl (120-249 µmol/l): 15 mg/kg alle 12 Stunden
- Kreatinin 2,82-5,65 mg/dl (250-500 µmol/l): 15 mg/kg alle 24 Stunden
- Kreatinin >5,65 mg/dl (>500 µmol/l): 7,5 mg/kg alle 24 Stunden oder 10 mg/kg alle 48 Stunden.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Tranexamsäure-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  2. Fachinformation Cyklokapron Injektionslösung, Stand Dezember 2010
  3. Drug-label der FDA zu Cyklokapron, Stand Februar 2011.
  4. Eriksson O, Kjellman H, Pilbrant A, Schannong M. Pharmacokinetics of tranexamic acid after intravenous administration to normal volunteers. Eur J Clin Pharmacol 1974;7:375-80.
  5. Andersson L, Eriksson O, Hedlund PO, Kjellman H, Lindqvist B. Special considerations with regard to the dosage of tranexamic acid in patients with chronic renal diseases. Urol Res 1978;6:83-8.
  6. Kimura S, Odawara J, Aoki T, Yamakura M, Takeuchi M, Watanabe Y, Matsue K. Use of tranexamic acid for disseminated intravascular coagulation with excessive fibrinolysis associated with aortic dissection in a patient with chronic renal failure. Int J Hematol 2009;89:549-52.
  7. Odabas AR, Cetinkaya R, Selçuk Y, Kaya H, Coskun U. Tranexamic-acid-induced acute renal cortical necrosis in a patient with haemophilia A. Nephrol Dial Transplant 2001;16:189-90.
  8. Fachinformation Cyklokapron Filmtabl, Stand Oktober 2011
  9. Hui AC, Wong TY, Chow KM, Szeto CC. Multifocal myoclonus secondary to tranexamic acid. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003;74:547.
  10. Kitamura H, Matsui I, Itoh N, Fujii T, Aizawa M, Yamamoto R, Okuno A, Okazaki Y, Fujita Y, Kuwayama Y, Imai E, Fujii M. Tranexamic acid-induced visual impairment in a hemodialysis patient. Clin Exp Nephrol 2003;7:311-4.
  11. Bhat A, Bhowmik DM, Vibha D, Dogra M, Agarwal SK. Tranexamic acid overdosage-induced generalized seizure in renal failure. Saudi J Kidney Dis Transpl 2014;25:130-2.
  12. Sabovic M, Lavre J, Vujkovac B. Tranexamic acid is beneficial as adjunctive therapy in treating major upper gastrointestinal bleeding in dialysis patients. Nephrol Dial Transplant 2003;18:1388-91.
  13. Vujkovac B, Sabovic M. Treatment of subdural and intracerebral haematomas in a haemodialysis patient with tranexamic acid. Nephrol Dial Transplant 2000;15:107-9.
  14. Ma TK, Chow KM, Kwan BC, Leung CB, Szeto CC, Li PK. Manifestation of tranexamic acid toxicity in chronic kidney disease and kidney transplant patients: a report of four cases and review of literature. Nephrology (Carlton) 2016;xx:xx.
  15. Frimat M, Decambron M, Lebas C, Moktefi A, Lemaitre L, Gnemmi V, Sautenet B, Glowacki F, Subtil D, Jourdain M, Rigouzzo A, Brocheriou I, Halimi JM, Rondeau E, Noel C, Provôt F, Hertig A. Renal Cortical Necrosis in Postpartum Hemorrhage: A Case Series. Am J Kidney Dis 2016;68:50-7.
 
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Letzte Aktualisierung: 25.07.2016