Dosierung bei Niereninsuffizienz
Metoclopramid
 
Q0 * 0.3 Schätzwert anhand von pharmakokinetischen Änderungen bei Niereninsuffizienz [5-7]
HWZ ** 5 h [7,10]
Allgemeines Der Anteil von unverändertem Metoclopramid bei Nierengesunden beträgt 20% [1,2]. Dieser ist jedoch nicht prädiktiv für Patienten mit Niereninsuffizienz.
Aktive Metaboliten Keine bekannt [3].
UAW an der Niere und Harnwegen Nicht beschrieben [3].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Patienten mit GFR <10 ml/min traten in einem Viertel der Fälle extrapyramidal-motorische Symptome auf [4].
Ein erhöhtes Risiko für ein malignes neuroleptisches Syndrom bei Patienten mit Niereninsuffizienz wurde vermutet [9].
Studien bei Niereninsuffizienz Die Metoclopramid-Clearance korreliert mit der Nierenfunktion [7,12].
Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz war die Metoclopramid-Clearance auf 30% reduziert und die Halbwertszeit dreifach verlängert [5-7].
Metoclopramid ist nicht in klinisch relevantem Umfang dialysierbar [7,8].
Renale Kontraindikation Bei niedriger Dosierung besteht keine Kontraindikation.
Eine "hochdosierte Metoclopramidtherapie bei Übelkeit und Erbrechen durch Zytostatika" ist bei eingeschränkter Nierenfunktion kontraindiziert [3].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Basierend auf den Empfehlungen im Drug Label der FDA [10] erscheint folgendes Vorgehen möglich:
- GFR >40 ml/min: Normale Dosierung
- GFR <40 ml/min: Tagesdosis auf 50% reduzieren.
Der Hersteller empfiehlt folgende maximale Tagesdosen [3]
- Kreatinin-Clearance 11-60 ml/min: 15 mg
- Kreatinin-Clearance <10 ml/min: 10 mg.
Andere Autoren empfehlen [11]
- GFR >50 ml/min: Normale Dosierung
- GFR 10-50 ml/min: Tagesdosis auf 75% reduzieren
- GFR <10 ml/min: Tagesdosis auf 50% reduzieren
Eine hochdosierte Gabe von Metoclopramid sollte bei Niereninsuffizienz nicht angewendet werden.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Metoclopramid-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  2. Taeschner W, Vozeh S. Pharmacokinetic drug data. In: Speight TM, Holford NHG, editors. Avery´s Drug Treatment. 4th ed. adis International; 1997. Appendix A: p. 1629-64.
  3. Fachinformation Fachinformation Paspertin. Stand, Stand Mai 2010
  4. Caralps A. Metoclopramide and renal failure. Lancet 1979;1:554.
  5. Bateman DN, Gokal R. Metoclopramide in renal failure. Lancet 1980;1:982.
  6. Bateman DN, Gokal R, Dodd TR, Blain PG. The pharmacokinetics of single doses of metoclopramide in renal failure. Eur J Clin Pharmacol 1981;19:437-41.
  7. Lehmann CR, Heironimus JD, Collins CB, O'Neil TJ, Pierson WP, Crowe JT, Melikian AP, Wright GJ. Metoclopramide kinetics in patients with impaired renal function and clearance by hemodialysis. Clin Pharmacol Ther 1985;37:284-9.
  8. Wright MR, Axelson JE, Rurak DW, McErlane B, McMorland GH, Ongley RC, Tam YK, Price JD. Effect of haemodialysis on metoclopramide kinetics in patients with severe renal failure. Br J Clin Pharmacol 1988;26:474-7.
  9. Fujita Y, Yasukawa T, Mihira M, Sasaki T, Yokoya S. Metoclopramide in a patient with renal failure may be an increased risk of neuroleptic malignant syndrome. Intensive Care Med 1996;22:717.
  10. METOCLOPRAMIDE (metoclopramide hydrochloride) injection, solution [Baxter Healthcare Corporation], Stand 11/2010.
  11. Aronoff GR, Bennett WM, Berns JS, Brier ME, Kasbekar N, Mueller BA, Pasko DA, Smoyer WE. Drug Prescribing in Renal Failure - Dosing Guidelines for Adults and Children. 5th ed. Philadelphia. American College of Physicians 2007
  12. Bryson SM, McGovern EM, Kelman AW, White K, Addis GJ, Whiting B. The pharmacokinetics of high dose metoclopramide in patients with neoplastic disease. Br J Clin Pharmacol 1985;19:757-66.
 
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Letzte Aktualisierung: 20.02.2012