Dosierung bei Niereninsuffizienz
Metformin
 
Q0 * 0.01 [1,6].
HWZ ** 5 h [1-7].
Aktive Metaboliten Keine bekannt [6,7].
UAW an der Niere und Harnwegen Keine bekannt [7].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Niereninsuffizienz ist ein Risikofaktor für Laktatazidose unter Metformin [3,7]. Die Kausalität ist umstritten.
Weitere Risikofaktoren für eine Laktatazidose sind übermäßiger Alkoholkonsum, Leberfunktionsstörung, schlecht eingestellter Diabetes mellitus, Ketose, langes Fasten und alle mit Hypoxie assoziierten Erkrankungen sowie die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die eine Laktatazidose verursachen können [7].
Studien bei Niereninsuffizienz Die Metformin-Clearance nimmt parallel zur Kreatinin-Clearance ab [6].
Renale Kontraindikation Hochgradige Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min bzw. GFR < 30 ml/min).
Akute Zustände, die zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen können, wie z. B. Dehydratation, schwere Infektionen oder Schock [7].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Kreatinin-Clearance 45 - < 60 ml/min:
- Risikofaktoren für Laktatazidose überprüfen
- Initial: Tages-Maximaldosis 1000 mg
- Im Verlauf: Tages-Maximaldosis 2000 mg
Kreatinin-Clearance 30 - < 45 ml/min:
- Risikofaktoren für Laktatazidose überprüfen
- Initial: Tages-Maximaldosis 500 mg
- Im Verlauf: Tages-Maximaldosis 1000 mg
Bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min ist die Anwendung von Metformin kontraindiziert.
Monitoring der Nierenfunktion:
- Vor Beginn der Behandlung
- Mindestens jährlich bei Patienten mit normaler Nierenfunktion
- Mindestens 2- bis 4-mal jährlich bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei älteren Patienten
- Bei Dehydratation
- Bei Einleitung einer Therapie mit Antihypertensiva, Diuretika oder NSAR.
Information an Patienten:
- Bei akuten Erkrankungen Metformin pausieren, vor allem wenn diese mit einer Exsikkose oder gastrointestinalen Symptomen einhergehen.
- Der Beginn einer Laktatazidose kann schleichend und die Symptomatik unspezifisch sein (z.B. Erbrechen, Bauchschmerzen mit Muskelkrämpfen, gestörtes Allgemeinbefinden mit starker Müdigkeit sowie Schwierigkeiten beim Atmen). Bei derartigen Beschwerden sofort Metformin pausieren und ärztliche Hilfe suchen.
Vorgehen bei Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln laut Hersteller von Metformin [7]:
- Metformin vor der Untersuchung absetzen und nur bei unveränderter Nierenfunktion (Kontrolle ab 48 h nach der Untersuchung) wieder ansetzen.
Vorgehen bei elektiven chirurgischen Eingriffen unter Allgemeinnarkose, Spinal- oder Periduralanästhesie [7]:
- Metformin vor der Untersuchung absetzen und nur bei unveränderter Nierenfunktion (Kontrolle ab 48 h nach der Untersuchung) wieder ansetzen.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Metformin-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  2. Holstein A, Egberts E.-H. Traditionelle Metformin-Kontraindikationen - mehr Schaden als Nutzen? Dtsch Med Wochenschr. 2006;131:105-10
  3. Stades AM, Heikens JT, Erkelens DW, Holleman F, Hoekstra JB. Metformin and lactic acidosis: cause or incidence ? A review of case reports, J Intern Med 2004;255:179-87.
  4. Rachmani R, Slavachevski I, Levi Z, Zadok B, Kedar Y, Ravid M. Metformin in patients with type 2 diabetes mellitus: reconsideration of traditional contraindications. Eur J Intern Med 2002;13:428.
  5. Conolly V, Kesson CM. Metformin treatment in NIDDM patiens with mild renal impairment. Postgrad Med J 1996;72:352-4.
  6. Graham GG, Punt J, Arora M, Day RO, Doogue MP, Duong JK, Furlong TJ, Greenfield JR, Greenup LC, Kirkpatrick CM, Ray JE, Timmins P, Williams KM. Clinical pharmacokinetics of metformin. Clin Pharmacokinet. 2011;50:81-98.
  7. Fachinformation GLUCOPHAGE 1000mg, FiTab (Merck Serono), Stand Januar 2017
 
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Letzte Aktualisierung: 04.01.2018