Dosierung bei Niereninsuffizienz
Metformin
 
Q0 * 0.01 [1,6].
HWZ ** 5 h [1-6,10].
Aktive Metaboliten Keine bekannt [6,10].
UAW an der Niere und Harnwegen Keine bekannt [10].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Niereninsuffizienz ist ein Risikofaktor für Laktatazidose unter Metformin [3,10]. Die Kausalität ist umstritten.
Studien bei Niereninsuffizienz Die Metformin-Clearance nimmt parallel zur Kreatinin-Clearance ab [6].
Renale Kontraindikation Hochgradige Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min bzw. GFR < 30 ml/min) [8].
Akute Zustände, die zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen können, wie z. B. Dehydratation, schwere Infektionen oder Schock [10].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Bei Kreatinin-Clearance 45 - < 60 ml/min ist laut Hersteller folgendes Vorgehen möglich [10].
- Initialdosis 500 - 850 mg einmal täglich
- Maximaldosis 500 mg zweimal täglich
- Kontrolle der Nierenfunktion alle 3 - 6 Monate.
Einige Autoren geben als Maximaldosis an [9]:
- Kreatinin-Clearance 45 - < 60 ml/min: Tages-Maximaldosis 2000 mg
- Kreatinin-Clearance 30 - < 45 ml/min: Tages-Maximaldosis 1000 mg.
Bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min ist die Gabe von Metformin kontraindiziert.
Monitoring der Nierenfunktion:
- Vor Beginn der Behandlung
- Mindestens jährlich bei Patienten mit normaler Nierenfunktion
- Mindestens 2 bis 4 mal jährlich bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei älteren Patienten
- Bei Dehydratation, Einleitung einer Therapie mit Antihypertensiva, Diuretika oder NSAR.
Information an Patienten:
- Bei akuten Erkrankungen Metformin pausieren, vor allem wenn diese mit einer Exsikkose oder gastrointestinalen Symptomen einhergehen.
- Der Beginn einer Laktatazidose kann schleichend und die Symptomatik unspezifisch sein (z.B. Erbrechen, Bauchschmerzen mit Muskelkrämpfen, gestörtes Allgemeinbefinden mit starker Müdigkeit sowie Schwierigkeiten beim Atmen). Bei derartigen Beschwerden sofort Metformin pausieren und ärztliche Hilfe suchen.
Vorgehen bei Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln laut Hersteller von Metformin [10]:
- Kreatinin-Clearance > 60 ml/min: Metformin vor der Untersuchung absetzen und nur bei unveränderter Nierenfunktion (Kontrolle ab 48 h nach der Untersuchung) wieder ansetzen.
- Kreatinin-Clearance 45 - < 60 ml/min: Metformin 48 h vor der Untersuchung absetzen und nur bei unveränderter Nierenfunktion (Kontrolle ab 48 h nach der Untersuchung) wieder ansetzen.
Vom American College of Radiology wird auch bei Niereninsuffizienz ein Absetzen erst zum Zeitpunkt der Kontrastmittelgabe empfohlen [7].
Vorgehen bei elektiven chirurgischen Eingriffen unter Allgemeinnarkose, Spinal- oder Periduralanästhesie:
- Metformin 48 h vor der Untersuchung absetzen und nur bei unveränderter Nierenfunktion (Kontrolle ab 48 h nach der Untersuchung) wieder ansetzen.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Metformin-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  2. Holstein A, Egberts E.-H. Traditionelle Metformin-Kontraindikationen - mehr Schaden als Nutzen? Dtsch Med Wochenschr. 2006;131:105-10
  3. Stades AM, Heikens JT, Erkelens DW, Holleman F, Hoekstra JB. Metformin and lactic acidosis: cause or incidence ? A review of case reports, J Intern Med 2004;255:179-87.
  4. Rachmani R, Slavachevski I, Levi Z, Zadok B, Kedar Y, Ravid M. Metformin in patients with type 2 diabetes mellitus: reconsideration of traditional contraindications. Eur J Intern Med 2002;13:428.
  5. Conolly V, Kesson CM. Metformin treatment in NIDDM patiens with mild renal impairment. Postgrad Med J 1996;72:352-4.
  6. Graham GG, Punt J, Arora M, Day RO, Doogue MP, Duong JK, Furlong TJ, Greenfield JR, Greenup LC, Kirkpatrick CM, Ray JE, Timmins P, Williams KM. Clinical pharmacokinetics of metformin. Clin Pharmacokinet. 2011;50:81-98.
  7. ACR Manual on Contrast Media, Version 9, 2013.
  8. EMA. Use of metformin to treat diabetes now expanded to patients with moderately reduced kidney function. 14.10.2016
  9. Inzucchi SE, Lipska KJ, Mayo H, Bailey CJ, McGuire DK. Metformin in patients with type 2 diabetes and kidney disease: a systematic review. JAMA 2014;312:2668-75.
  10. Fachinformation GLUCOPHAGE, Stand Februar 2015
 
Alle Angaben richten sich ausschließlich an Ärzte, Zahnärzte und Apotheker und sind anhand der zitierten Quellen erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. Für die zu treffende Therapieentscheidung sind außerdem die individuelle Situation des Patienten sowie die jeweils aktuelle Fachinformation des einzusetzenden Arzneimittels zu berücksichtigen. Haftungsansprüche jeglicher Art aus den gemachten Angaben sind ausgeschlossen. Für Hinweise und Anregungen senden Sie uns bitte eine E-Mail. Patientenindividuelle Anfragen können leider nicht beantwortet werden.
 
Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 1998 - 2017 Abt. Klinische Pharmakologie & Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg. Bitte beachten Sie unseren Haftungsausschluss.
Letzte Aktualisierung: 04.11.2016