Dosierung bei Niereninsuffizienz
Lisinopril
 
Q0 * 0.2 [1-3]
HWZ ** 12 h [1-3]
Allgemeines Viele ACE-Hemmer werden überwiegend renal eliminiert. Bei der Entscheidung ob eine Dosisanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion durchgeführt werden sollte, ist die jeweilige Indikation zu berücksichtigen.
Arterielle Hypertonie: Dosisanpassung sinnvoll.
Nephroprotektion: evtl. keine Dosisanpassung, da hohe Konzentrationen für eine maximale Wirkung sinnvoll sein können.
Aktive Metaboliten Keine Metaboliten bekannt [2].
UAW an der Niere und Harnwegen ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten und Renin-Hemmer können im Glomerulum zu einem Filtratabfall (durch Dilatation des Vas efferens) und damit zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Dies betrifft insbesondere Patienten mit erhöhter Aktivität des Renin-Angiotensin-Systems sowie Patienten mit beidseitiger Nierenarterienstenose [3].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Patienten mit Herzinsuffizienz- mit oder ohne einhergehender Niereninsuffizienz - wurden symptomatische Hypotonien beobachtet.
Bei Anwendung von Polyacrylnitril-Membranen (AN69) im Rahmen einer Dialyse und gleichzeitiger Behandlung mit einem ACE-Hemmer wurde über anaphylaktoide Reaktionen berichtet [3].
Bei Niereninsuffizienz scheint das Risiko für eine ACE-Hemmer assoziierte Neutropenie / Agranulozytose erhöht zu sein [4,5]. Die meisten Fälle sind unter Captopril beschrieben, aber auch für andere ACE-Hemmer liegen vereinzelte Fallberichte vor [7,6,8].
Studien bei Niereninsuffizienz Lisinopril kann durch Dialyse entfernt werden. Während der Dialyse verringerten sich die Plasmakonzentrationen von Lisinopril innerhalb von 4 Stunden um durchschnittlich 60 %, wobei die Dialyse-Clearance zwischen 40 und 55 ml/min lag [2].
Renale Kontraindikation Keine angegeben [3].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Dosisempfehlungen des Herstellers
GFR 31-80 ml/min: Anfangsdosis 5-10 mg proTag
GFR 10-30 ml/min: Anfangsdosis 2,5-5 mg pro Tag
GFR < 10 ml/min: Anfangsdosis 2,5 mg pro Tag
Monitoring: Kreatinin, Kalium, Blutbild.
Bei Behandlungsbeginn sollte nach 3-7 Tagen eine Kontrolle der Kreatinin- und Kalium-Werte durchgeführt werden. In dieser Situation ist ein mäßiger Anstieg des Kreatinins zu erwarten (sofern nicht bereits zuvor mit einem anderen ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Renin-Hemmer behandelt wurde). Deshalb kann je nach klinischer Situation des Patienten ein Kreatininanstieg bis etwa 30% akzeptabel sein, muss aber kurzfristig kontrolliert werden. Die Häufigkeit weiterer Kontrollen hängt von den Werten, der Begleitmedikation und der Nierenfunktion ab.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Lisinopril-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  2. Fachinformation Acerbon®, Stand Februar 2005
  3. Fachinformation Lisinopril STADA®, Stand August 2012
  4. Cooper RA. Captopril-associated neutropenia. Who is at risk? Arch Intern Med 1983;143:659-60.
  5. Weber MA. Safety issues during antihypertensive treatment with angiotensin converting enzyme inhibitors. Am J Med 1988;84:16-23.
  6. Elis A, Lishner M, Lang R, Ravid M. Agranulocytosis associated with enalapril. DICP 1991;25:461-2.
  7. Horowitz N, Molnar M, Levy Y, Pollack S. Ramipril-induced agranulocytosis confirmed by a lymphocyte cytotoxicity test. Am J Med Sci 2005;329:52-3.
  8. Clark D. Benazepril and agranulocytosis: a possible rare adverse reaction involving ACE inhibitors as a class. WHO Pharm Newsletter 2003;2:9.
 
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Letzte Aktualisierung: 20.05.2016