Dosierung bei Niereninsuffizienz
Isoniazid
 
Q0 * 0.6 [1,3]
HWZ ** 1.2 h Bei Langsam-Acetylierern beträgt die HWZ 3 h [1,3].
Aktive Metaboliten Isoniazid wird zu Isonicotinyl-NAD aktiviert [4].
Toxische Metaboliten sind Hydrazin und Acetylhydrazin, welche renal eliminiert werden [3].
UAW an der Niere und Harnwegen Glomerulonephritis, meist reversibel [3].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Erhöhtes Risiko für neurologische UAW [3,8,9].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ist die Arzneimittelclearance reduziert und die Halbwertszeit verlängert. Dies betrifft insbesondere langsame Acetylierer [2].
Isoniazid ist dialysierbar. Zum Ausmaß gibt es unterschiedliche Angaben [3,11,12].
Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz wurde eine Leberstörung in 50% der behandelten Patienten beobachtet und damit häufiger als in unbehandelten Patienten (31%), allgemein war die Verträglichkeit aber akzeptabel [5]. Die Dosierung war 300 mg Isoniazid täglich (200 mg bei Gewicht <50 kg). Der Zeitpunkt der Tabletteneinnahme am Dialysetag wurde nicht berichtet.
In CAPD Patienten werden in der Peritoneal Flüssigkeit effektive Konzentrationen erreicht [7], die eliminierte Menge scheint jedoch gering zu sein [10].
Renale Kontraindikation Keine angegeben [3].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Da der Q0-Wert von Isoniazid hoch ist, ist keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion notwendig. Bei vielen Arzneimitteln mit hohem Q0-Wert entstehen renal eliminierte Metaboliten, deren Aktivität nicht immer bekannt ist. Entsprechend ist bei schweren Einschränkungen der Nierenfunktion grundsätzlich Vorsicht geboten.
Bei bekannten langsamen Acetylierern mit GFR <10 ml/min sollte die Dosis von 300 auf 100-200 mg/d reduziert werden.
Therapeutisches Drug Monitoring:
- Spitzenspiegel (2 Stunden nach Einnahme): Ziel 3-5 µg/ml [6]
- Talspiegel (24 Stunden nach Einnahme): Ziel: <1 µg/ml [3]
Dialysepatienten: Am Dialysetag sollte Isoniazid nach Dialyse gegeben werden.
Monitoring: Leberwerte.
Begleittherapie: Pyridoxin 100 mg/d zur Prävention der Neurotoxizität [8,9].
 
Referenzen
  1. Taeschner W, Vozeh S. Pharmacokinetic drug data. In: Speight TM, Holford NHG, editors. Avery´s Drug Treatment. 4th ed. adis International; 1997. Appendix A: p. 1629-64.
  2. Kim YG, Shin JG, Shin SG, Jang IJ, Kim S, Lee JS, Han JS, Cha YN. Decreased acetylation of isoniazid in chronic renal failure. Clin Pharmacol Ther 1993;54:612-20.
  3. Fachinformation Fachinformation Isozid, Stand, Stand Dezember 2008
  4. Wiseman B, Carpena X, Feliz M, Donald LJ, Pons M, Fita I, Loewen PC. Isonicotinic acid hydrazide conversion to Isonicotinyl-NAD by catalase-peroxidases. J Biol Chem 2010;285:26662-73.
  5. Vikrant S, Agarwal SK, Gupta S, Bhowmik D, Tiwari SC, Dash SC, Guleria S, Mehta SN. Prospective randomized control trial of isoniazid chemoprophylaxis during renal replacement therapy. Transpl Infect Dis 2005;7:99-108.
  6. Peloquin CA. Therapeutic drug monitoring in the treatment of tuberculosis. Drugs 2002;62:2169-83.
  7. Ahn C, Oh KH, Kim K, Lee KY, Lee JG, Oh MD, Kim Y, Han JS, Kim S, Lee JS, Jang IJ, Shin SG. Effect of peritoneal dialysis on plasma and peritoneal fluid concentrations of isoniazid, pyrazinamide, and rifampin. Perit Dial Int 2003;23:362-7.
  8. Asnis DS, Bhat JG, Melchert AF. Reversible seizures and mental status changes in a dialysis patient on isoniazid preventive therapy. Ann Pharmacother 1993;27:444-6.
  9. Siskind MS, Thienemann D, Kirlin L. Isoniazid-induced neurotoxicity in chronic dialysis patients: report of three cases and a review of the literature. Nephron 1993;64:303-6.
  10. Kumar L, Singhi PD, Pereira BJ, Singh U, Sakhuja V, Chugh KS. Accidental poisoning with isoniazid and rifampicin in an infant: role of peritoneal dialysis. Nephrol Dial Transplant 1989;4:156-7.
  11. Malone RS, Fish DN, Spiegel DM, Childs JM, Peloquin CA. The effect of hemodialysis on isoniazid, rifampin, pyrazinamide, and ethambutol. Am J Respir Crit Care Med 1999;159:1580-4.
  12. Glogner P, Vogt O, Lange H. [Dialysis in isoniazid poisoning]. Dtsch Med Wochenschr 1971;96:1307-9.
 
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Letzte Aktualisierung: 19.10.2016