Dosierung bei Niereninsuffizienz
Ifosfamid
 
Q0 * 0.65 Q0 = 0,5 bis 0,8; höher bei fraktionierter Gabe [3,7].
HWZ ** 6 h [3].
Allgemeines Ifosfamid ist ein Prodrug und hat eine nicht-lineare Pharmakokinetik.
Aktive Metaboliten Es werden aktive Metaboliten gebildet (4-Hydroxyifosfamide, Isophosphoramide mustard, Chloroacetaldehyde, Acrolein).
Die Auswirkungen auf die Niere (Tubulotoxizität) sind vermutlich durch Chloroacetaldehyd bedingt, wohingegen die Auswirkungen auf die Blase dem Acrolein zugeschrieben werden [1,2,4].
UAW an der Niere und Harnwegen Häufig:
Hämorrhagische Zystitis (Mikrohämaturie und Makrohämaturie; dosisabhängige Komplikation).
Tubuläre Nierenfunktionsstörungen (Risikofaktoren: lokalisierte Nierenfunktionsstörung bei Z.n. einseitiger Nephrektomie, zusätzliche Behandlung mit platinhaltigen Präparaten oder eine begleitende Bestrahlung des Bauchraums unter Einschluss der Nieren bzw. der verbliebenen Niere).
Gelegentlich:
Glomeruläre Nierenfunktionsstörung (Anstieg des Serumkreatinins, Abnahme der Kreatinin-Clearance und Proteinurie; Ursachen für eine glomeruläre Nierenfunktionsstörung: hohe Einzeldosen des Medikamentes und zusätzliche Behandlung mit platinhaltigen Präparaten.
Selten:
Schwere Nephropathien (Prädisponierende Faktoren: hohe kumulative Dosen des Medikamentes und Kindesalter (insbesondere unter 3 Jahren)) [3].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist mit einer größeren Häufigkeit und Intensität der Myelotoxizität und der renalen und zerebralen Toxizitäten zu rechnen [3].
Studien bei Niereninsuffizienz Vorsicht ist bei Patienten geboten, die einseitig nephrektomiert sind, eine Nierenfunktionseinschränkung aufweisen oder mit nephrotoxischen Medikamenten wie z.B. Cisplatin vorbehandelt worden sind. Hier ist mit einer größeren Häufigkeit und Intensität der Myelotoxizität und der renalen und zerebralen Toxizitäten zu rechnen [3].
Kinder: Bei Behandlung mit Ifosfamid sind eine ausreichende Diurese und regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktionen erforderlich. Im Falle einer beginnenden Nephropathie ist mit der Gefahr eines irreversiblen Nierenschadens zu rechnen, wenn die Behandlung mit Ifosfamid fortgeführt wird [3].
Renale Kontraindikation Eingeschränkte Nierenfunktion und/oder Harnabflussbehinderung, Zystitis [3].
Hämodialyse:
Die mittlere Reduktion nach Hämodialyse betrug für Ifosfamide, Chloroacetaldehyde und 4-Hydroxyifosfamide 86.9%, 77.2%, und 36.2%. Neurotoxische Effekte von Ifosfamid waren nach Hämodialyse reversibel [5,6].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Laut Hersteller ist eine Behandlung bei Niereninsuffizienz (GFR <60 ml/min) kontraindiziert.
Wenn eine Therapie bei guter klinischer Indikation dennoch durchgeführt werden muss, sollte eine Dosisanpassung erfolgen. In der Literatur werden folgende Anpassungen vorgeschlagen:
Clcr 46-60 mL/minute: 80% der Dosis
Clcr 31-45 mL/minute: 75% der Dosis
Clcr <30 mL/minute: 70% der Dosis
Bei einer möglichen Therapieanpassung muss jedoch unbedingt auch die klinische Situation des Patienten im Einzelfall berücksichtigt werden. Zusätzlich sind die Angaben in den Fachinformationen der jeweiligen Fertigarzneimittel zu beachten.
Sonstige Maßnahmen:
Bei Behandlung mit Ifosfamid sind eine ausreichende Diurese und regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktionen erforderlich. Im Falle einer beginnenden Nephropathie ist mit der Gefahr eines irreversiblen Nierenschadens zu rechnen, wenn die Behandlung mit Ifosfamid fortgeführt wird.
Fraktionierte Dosierung, eine ausreichende Hydratation mit bis zu 3 Liter Flüssigkeit pro Tag und insbesondere die gleichzeitige Applikation von Mesna können die Häufigkeit und den Ausprägungsgrad der hämorrhagischen Zystitis deutlich senken.
Eine weitere Verschlechterung der glomerulären Funktion ist insbesondere bei der gleichzeitigen Gabe potentiell nephrotoxischer Substanzen wie Aminoglykoside, Aciclovir oder Amphotericin B möglich.
 
Referenzen
  1. BC Cancer Agency. Cancer Drug Manual. Revised edition 2010. Accessed on July 5th 2010 under: www.bccancer.bc.ca/HPI/DrugDatabase/DrugIndexPro/default.htm
  2. Rose BD editor. Ifosfamide. UpToDate 18.1 ed. Waltham, Massachusetts: UpToDate®; 2010.
  3. Fachinformation IFO-cell® 2g Infusionskonz. 200mg/ml Infusionslösungskonz, Cell Pharm GmbH, Stand September 2004
  4. Li YF , Fu S,. Hu W, Liu JH, Finkel W, Gershenson GM, Kavanagh JJ. Systemic anticancer therapy in gynecological cancer patients with renal dysfunction. Int J Gynecol Cancer 2007;17:739–63.
  5. Carlson L, Goren MP, Bush DA, Griener JC, Quigley R, Tkaczewski I, et al. Toxicity, pharmacokinetics, and in vitro hemodialysis clearance of ifosfamide and metabolites in an anephric pediatric patient with Wilms' tumor. Cancer Chemother Pharmacol. 1998;41:140-6.
  6. Latcha S, Maki RG, Schwartz GK, Flombaum CD. Ifosfamide may be safely used in patients with end stage renal disease on hemodialysis. Sarcoma. 2009;575629. Epub 2010 Jan 4.
  7. Furlanut M, Franceschi L. Pharmacology of Ifosfamide. Oncology 2003;65:2–6
 
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Letzte Aktualisierung: 26.02.2014