Dosierung bei Niereninsuffizienz
Amoxicillin
 
Q0 * 0.1 [1-6]
HWZ ** 1.3 h [1-6]
UAW an der Niere und Harnwegen Amoxicillin kann in seltenen Fällen eine akute interstitielle Nephritis verursachen [1,2].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Bei sehr schweren Infektionen und intravenöser Gabe von Amoxicillin (+ Clavulansäure) ist folgende Dosierung möglich [7-9]:
- Kreatinin-Clearance ≥30 ml/min: 2000 (+200) mg alle 8 h.
- Kreatinin-Clearance 10-<30 ml/min: Startdosis 1000 (+200) mg; Erhaltungsdosis 500 (+100) mg alle 12 h (bei Schwerstkranken 1000 (+200) mg alle 8 h).
- Kreatinin-Clearance <10 ml/min: Startdosis 1000 (+200) mg; Erhaltungsdosis 500 (+100) mg alle 24 h (bei Schwerstkranken 1000 (+200) mg alle 12 h).
- Hämodialysepatienten: Startdosis 1000 (+200) mg; Erhaltungsdosis 1000 (+200) mg alle 24 h, nach Dialyse zusätzlich 1000 (+200) mg (bei Schwerstkranken 1000 (+200) mg alle 12 h).
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Amoxicillin-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Amoxicillin. Stand der Information: 9/2002. [monograph on CD-ROM]. Klasco RK, editor. DRUGDEX® System. MICROMEDEX Inc. Greenwood Village, Colorado.
  2. Fachinformation Amoxypen, Stand September 2000
  3. Dettli L. Pharmakokinetische Daten für die Dosisanpassung. In: Grundlagen der Arzneimitteltherapie. Herausgegeben durch die Sektion Klinische Pharmakologie der Schweizerischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. 14. Auflage. Basel: Documed; 1996. p. 13-21.
  4. Horber FF, Frey FJ, Descoeudres C, Murray AT, Reubi FC. Differential effect of impaired renal function on the kinetics of clavulanic acid and amoxicillin. Antimicrob Agents Chemother 1986;29:614-9.
  5. St Peter WL, Redic-Kill KA, Halstenson CE. Clinical pharmacokinetics of antibiotics in patients with impaired renal function. Clin Pharmacokinet 1992;22:169-210.
  6. Taeschner W, Vozeh S. Pharmacokinetic drug data. In: Speight TM, Holford NHG, editors. Avery´s Drug Treatment. 4th ed. adis International; 1997. Appendix A: p. 1629-64.
  7. Fachinformation AmoxClav HEXAL® i.v. 1000/200 mg, Pulv. z. Herstell. e. Inj.- od. Infus.-lösg., Stand November 2010
  8. Czock D, Keller F. Antibiotikadosierung bei Dialysepatienten. Der Nephrologe 2014;9:477-87.
  9. Czock D, Spitaletta M, Keller F. Suboptimal antimicrobial drug exposure in patients with renal impairment. Int J Clin Pharm 2015;37:906-16.
 
Alle Angaben richten sich ausschließlich an Ärzte, Zahnärzte und Apotheker und sind anhand der zitierten Quellen erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. Für die zu treffende Therapieentscheidung sind außerdem die individuelle Situation des Patienten sowie die jeweils aktuelle Fachinformation des einzusetzenden Arzneimittels zu berücksichtigen. Haftungsansprüche jeglicher Art aus den gemachten Angaben sind ausgeschlossen. Für Hinweise und Anregungen senden Sie uns bitte eine E-Mail. Patientenindividuelle Anfragen können leider nicht beantwortet werden.
 
Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 1998 - 2017 Abt. Klinische Pharmakologie & Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg. Bitte beachten Sie unseren Haftungsausschluss.
Letzte Aktualisierung: 12.04.2016