Dosierung bei Niereninsuffizienz
Foscarnet
 
Q0 * 0.04 [1-5].
HWZ ** 4.5 h Dominante Halbwertszeit (langsame terminale Halbwertszeit: 1-8 Tage) [1].
Aktive Metaboliten Keine bekannt [1].
UAW an der Niere und Harnwegen Häufig: Nierenfunktionsstörungen, akutes Nierenversagen, Kristallurie in den ersten Behandlungswochen [1,7].
Studien bei Niereninsuffizienz Foscarnet ist gut dialysierbar. Während einer Hämodialyse werden etwa 50 % des Foscarnet eliminiert [2-6].
Im Fallbericht einer Dialysepatientin wurde in der Initial-Phase (Induktion) mit 50 mg/kg täglich und in der Erhaltungsphase mit 65 mg/kg alle zwei Tage behandelt [8].
Renale Kontraindikation Kontraindiziert bei gleichzeitiger intravenöser Behandlung mit Pentamidin (wegen möglicher Nephrotoxizität) [1,9].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Der Hersteller empfiehlt spezifische Dosierungsschemata in Abhängigkeit der Therapiephase und der Art der Infektion (Initialtherapie einer CMV-Infektion, Erhaltungstherapie zur Rezidivprophylaxe einer CMV-Infektion, Herpes-Infektion) sowie der Kreatinin-Clearance (s. aktuelle Version der Fachinformation).
Vom Hersteller wird unterhalb einer Kreatinin-Clearance von 0,4 ml/min/kg eine Gabe von Foscarnet auf Grund mangelnder Erfahrung nicht empfohlen [1].
Bei gegebener Indikation empfehlen wir derzeit folgende Dosierung zu erwägen:
- intermittierende Hämodialyse (3 x pro Woche): 60 mg/kg nach jeder Dialyse (bei intermittierenden Dialyseverfahren mit niedrigem Blut- und Dialysatfluss muss die Dosis evtl. weiter reduziert werden).
- intermittierende Hämodialyse (täglich): 45 mg/kg nach jeder Dialyse.
- kontinuierliche Nierenersatzbehandlung: 40 mg/kg alle 12 h.
Monitoring: Kreatinin, Blutbild (Neutropenie, Thrombopenie, Anämie).
Sonstiges: Komedikation mit potentiell nephrotoxischen Arzneimitteln möglichst vermeiden.
Hydrierung (sofern nicht dialysepflichtig) z.B. Infusion von 0,5 1,0 Liter 0,9 %iger Natriumchloridlösung vor der ersten Gabe (evtl. mehr wenn ein klinisch manifester Flüssigkeitsmangel besteht). Anschließend 0,5 1,0 Liter 0,9 %iger Natriumchloridlösung zu jeder Infusion. Bei Patienten mit guter Compliance kann eine entsprechende Flüssigkeitszufuhr auch oral erfolgen [1].
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Foscarnet-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Fachinformation Foscavir, Stand Juli 2010
  2. Aweeka FT, Jacobson MA, Martin-Munley S, Hedman A, Schoenfeld P, Omachi R, Tsunoda S, Gambertoglio JG. Effect of renal disease and hemodialysis on foscarnet pharmacokinetics and dosing recommendations. J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol. 1999;20:350-7.
  3. MacGregor RR, Graziani AL, Weiss R, Grunwald JE, Gambertoglio JG. Successful foscarnet therapy for cytomegalovirus retinitis in an AIDS patient undergoing hemodialysis: rationale for empiric dosing and plasma level monitoring. J Infect Dis. 1991;164:785-7.
  4. Alexander AC, Akers A, Matzke GR, Aweeka FT, Fraley DS. Disposition of foscarnet during peritoneal dialysis. Ann Pharmacother. 1996;30:1106-9.
  5. Deray G, Cacoub P, Le Hoang P, Baumelou A, Soubrie C, Rousselie F, Morer I, Jacobs C. Foscarnet-induced acute renal failure and effectiveness of haemodialysis. Lancet. 1987;2:216.
  6. Sam R, Patel SB, Popli A, Leehey DJ, Gambertoglio JG, Ing TS. Removal of Foscarnet by hemodialysis using dialysate-side values. Int J Artif Organs. 2000;23:165-7.
  7. Deray G, Martinez F, Katlama C, Levaltier B, Beaufils H, Danis M, Rozenheim M, Baumelou A, Dohin E, Gentilini M, Jacobs C. Foscarnet nephrotoxicity: mechanism, incidence and prevention. Am J Nephrol 1989;9:316-21.
  8. Kang GW, Hong HL, Lee IH, Ahn KS, Kim JD, Choi DL. Ganciclovir and Foscarnet Therapy of Cytomegalovirus-Associated Meningoencephalitis in a Hemodialysis Patient With Liver Transplantation: Case Report. Transplant Proc 2016;48:1208-11.
  9. Youle MS, Clarbour J, Gazzard B, Chanas A. Severe hypocalcaemia in AIDS patients treated with foscarnet and pentamidine. Lancet 1988;1:1455-6.
 
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Letzte Aktualisierung: 31.05.2017