Dosierung bei Niereninsuffizienz
Enalaprilat
 
Q0 * 0.12 [6]
HWZ ** 68 min [6,7]
Allgemeines Viele ACE-Hemmer werden überwiegend renal eliminiert. Bei der Entscheidung ob eine Dosisanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion durchgeführt werden sollte, ist die jeweilige Indikation zu berücksichtigen.
Arterielle Hypertonie: Dosisanpassung sinnvoll.
Nephroprotektion: evtl. keine Dosisanpassung, da hohe Konzentrationen für eine maximale Wirkung sinnvoll sein können. [3]
Aktive Metaboliten Keine bekannt [6].
UAW an der Niere und Harnwegen ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten und Renin-Hemmer können im Glomerulum zu einem Filtratabfall (durch Dilatation des Vas efferens) und damit zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Dies betrifft insbesondere Patienten mit erhöhter Aktivität des Renin-Angiotensin-Systems sowie Patienten mit beidseitiger Nierenarterienstenose.
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Anwendung von Polyacrylnitril-Membranen (AN69) im Rahmen einer Dialyse und gleichzeitiger Behandlung mit einem ACE-Hemmer wurde über anaphylaktoide Reaktionen berichtet. [4-6]
Studien bei Niereninsuffizienz Hämodialyse reduziert die Enalaprilat-Plasmakonzentration um ca. 46 %. Enalaprilat kann ebenfalls mittels Peritonealdialyse aus dem Plasma entfernt werden.[6]
Renale Kontraindikation Nierenarterienstenose (beidseitig oder bei Einzelniere), Zustand nach Nierentransplantation, schwere Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <30 ml/min) und Dialysepatienten (mangels ausreichender Erfahrung) [6].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Der Hersteller empfiehlt [6]
GFR 30-60 ml/min
- Anfangsdosis 0,625 mg Enalaprilat, verabreicht über mindestens fünf Minuten (60 Minuten bei Herzinsuffizienz)
- bei unzureichendem Effekt nach einer Stunde 0,625-1,25 mg Enalaprilat
- weitere Dosen ggf. nach jeweils sechs Stunden
- höchste Einzeldosis: 2,5 mg
- höchste Tagesdosis: 10 mg.
Bei GFR <30 ml/min ist Enalaprilat laut Hersteller kontraindiziert.
Monitoring: Kreatinin, Kalium:
Bei Behandlungsbeginn sollte nach 3-7 Tagen eine Kontrolle der Kreatinin- und Kalium-Werte durchgeführt werden. In dieser Situation ist ein mäßiger Anstieg des Kreatinins zu erwarten (sofern nicht bereits zuvor mit einem anderen ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Renin-Hemmer behandelt wurde). Deshalb kann je nach klinischer Situation des Patienten ein Kreatininanstieg bis etwa 30% akzeptabel sein, muss aber kurzfristig kontrolliert werden. Die Häufigkeit weiterer Kontrollen hängt von den Werten, der Begleitmedikation und der Nierenfunktion ab. [1,2]
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Enalaprilat-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Ahmed A. Use of angiotensin-converting enzyme inhibitors in patients with heart failure and renal insufficiency: how concerned should we be by the rise in serum creatinine? J Am Geriatr Soc 2002;50:1297-300.
  2. Bakris GL, Weir MR. Angiotensin-converting enzyme inhibitor-associated elevations in serum creatinine: is this a cause for concern? Arch Intern Med 2000;160:685-93.
  3. Francois H, Jacquet A, Beaudreuil S, Seidowsky A, Hebibi H, Charpentier B, Durrbach A. Emerging strategies to preserve renal function. J Nephrol 2011;24:133-41.
  4. Tielemans C, Madhoun P, Lenaers M, Schandene L, Goldman M, Vanherweghem JL. Anaphylactoid reactions during hemodialysis on AN69 membranes in patients receiving ACE inhibitors. Kidney Int 1990;38:982-4.
  5. Verresen L, Waer M, Vanrenterghem Y, Michielsen P. Angiotensin-converting-enzyme inhibitors and anaphylactoid reactions to high-flux membrane dialysis. Lancet 1990;336:1360-2.
  6. EnaHEXAL® i.v. 1,25 mg Injektionslösung; Hexal AG, Stand: februar 2010.
  7. Semple PF, Cumming AM, Meredith PA, Morton JJ. Onset of action of captopril, enalapril, enalaprilic acid and lisinopril in normal man. Cardiovasc Drugs Ther 1987;1:45-50.
 
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Letzte Aktualisierung: 07.09.2012