Dosierung bei Niereninsuffizienz
Cyclophosphamid
 
Q0 * 0.75 Bezogen auf Muttersubstanz [1,2].
HWZ ** 7 h [2].
Aktive Metaboliten Cyclophosphamid ist ein Prodrug. Mindestens 6 aktive Metaboliten mit unterschiedlicher Pharmakokinetik sind bekannt [2,3], z.B. Phosphoramidmustard (HWZ: 9 h), Nornitrogenmustard (HWZ: 3.3 h).
UAW an der Niere und Harnwegen Metaboliten von Cyclophosphamid rufen nach Ausscheidung in den Urin in den ableitenden Harnwegen (insbesondere in der Blase) Veränderungen hervor. Hämorrhagische Zystitis, Mikrohämaturie und Makrohämaturie sind häufige und dosisabhängige Komplikationen einer Therapie mit Cyclophosphamid, die eine Unterbrechung der Behandlung erfordern können. Die Zystitis ist zunächst abakteriell, eine sekundäre Keimbesiedelung kann aber erfolgen. Es gibt Einzelfallberichte über hämorrhagische Zystitis mit Todesfolge. Blasenwandödem, suburotheliale Blutungen, interstitielle Entzündungen mit Fibrose sowie möglicherweise Blasenwandstarre werden ebenfalls beobachtet.
Es besteht ein dosisabhängiges Risiko für Spätkomplikationen (wie Neoplasien) [5].
Gelegentlich wurde über Schädigungen der Nieren (insbesondere bei vorbestehender Nierenfunktionsstörung) nach Gabe von Cyclophosphamid berichtet [1]. Ein Review kommt jedoch zu dem Schluss, dass Cylcophosphamid keine nephrotoxischen UAW aufweist [2].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Bei Niereninsuffizienz ist mit einer stärkeren Myelosuppression zu rechnen [1].
Studien bei Niereninsuffizienz Bei Patienten mit hochgradiger Niereninsuffizienz (GFR 10-24 ml/min) war die Arzneistoffclearance im Mittel von 4,7 auf 2,8 L/h erniedrigt [4]. In anderen Studien wurde kein relevanter Unterschied gefunden [6].
Cyclophosphamid und seine Metaboliten sind dialysierbar [2,4,7,8].
Renale Kontraindikation Besondere Vorsicht wird bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, wie z.B. chronischen Nierenerkrankungen, empfohlen (relative Gegenanzeige des Anbieters) [1].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Bei GFR >25 ml/min ist keine Dosisanpassung notwendig.
Bei GFR 10-25 ml/min sollte eine Dosisreduktion auf 75% [4] erwogen werden.
Bei GFR <10 ml/min sollte eine Dosisreduktion auf 50 [1] bis 75% [3,4] erwogen werden.
Bei bedrohlichen Indikationen kann jedoch auch die tägliche Gabe einer normalen Dosis unter engmaschiger Blutbildkontrolle gerechtfertigt sein.
Dialysepatienten:
Tägliche Gabe: am Dialysetag nach Dialyse geben.
Intermittierende Gabe: normale Dosis und Hämodialyse nach 12 h [2].
Monitoring: Blutbild, Urinstatus (Hämaturie)
Ko-Medikation: MESNA (bei Cyclophosphamid-Dosen >500 mg).
 
Referenzen
  1. Fachinformation EndoxanŽ 1g Inj.-Fl., Stand November 2008
  2. Li YF, Fu S, Hu W, Liu JH, Finkel KW, Gershenson DM, Kavanagh JJ. Systemic anticancer therapy in gynecological cancer patients with renal dysfunction. Int J Gynecol Cancer 2007;17:739-763.
  3. Janus N, Thariat J, Boulanger H, Deray G, Launay-Vacher V. Proposal for dosage adjustment and timing of chemotherapy in hemodialyzed patients. Ann Oncol 2010;21:1395-403.
  4. Haubitz M, Bohnenstengel F, Brunkhorst R, Schwab M, Hofmann U, Busse D. Cyclophosphamide pharmacokinetics and dose requirements in patients with renal insufficiency. Kidney Int 2002;61:1495-501.
  5. Knight A, Askling J, Granath F, Sparen P, Ekbom A. Urinary bladder cancer in Wegener's granulomatosis: risks and relation to cyclophosphamide. Ann Rheum Dis 2004;63:1307-11.
  6. de Jonge ME, Huitema AD, Rodenhuis S, Beijnen JH. Clinical pharmacokinetics of cyclophosphamide. Clin Pharmacokinet 2005;44:1135-64.
  7. Perry JJ, Fleming RA, Rocco MV, Petros WP, Bleyer AJ, Radford JE Jr, Powell BL, Hurd DD. Administration and pharmacokinetics of high-dose cyclophosphamide with hemodialysis support for allogeneic bone marrow transplantation in acute leukemia and end-stage renal disease. Bone Marrow Transplant 1999;23:839-42.
  8. Wang LH, Lee CS, Majeske BL, Marbury TC. Clearance and recovery calculations in hemodialysis: application to plasma, red blood cells, and dialysate measurements for cyclophosphamide. Clin Pharmacol Ther 1981;29:365-72.
 
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Letzte Aktualisierung: 28.01.2015