Dosierung bei Niereninsuffizienz
Aciclovir
 
Q0 * 0.25 [1]
HWZ ** 3 h [1]
Aktive Metaboliten Weniger als 15% der Aciclovir-Dosis wird als 9-Carboxymethoxymethylguanin (CMMG), 1% der Dosis wird als 8-hydroxy-Aciclovir (8-OH-ACV) ausgeschieden [2].
UAW an der Niere und Harnwegen Aciclovir ist nephrotoxisch und kann ein akutes Nierenversagen verursachen. Dieses ist in der Regel reversibel [1]. Die gleichzeitige Verabreichung anderer nephrotoxischer Arzneimittel, vorbestehende Nierenfunktionseinschränkung und Dehydratation erhöhen das Risiko für eine Nierenschädigung [8].
UAW bei niereninsuffizienten Patienten Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion haben ein erhöhtes Risiko für neurologische Nebenwirkungen (z.B. Ataxie, Dysarthrie, Verwirrtheit, Halluzinationen, Koma), die verzögert auftreten und nach Absetzen meist reversibel waren [1,2,6].
Studien bei Niereninsuffizienz Aciclovir ist dialysierbar, dabei wird die Plasmahalbwertszeit von 19,5 h bei chronischer Niereninsuffizienz auf 5,7 h gesenkt; gleichzeitig fallen die Plasmaspiegel um 60% [1,4].
Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sind die Plasmakonzentrationen von Aciclovir und dessen Metaboliten CMMG erhöht; dabei traten vermehrt neurologische Nebenwirkungen auf [5].
Renale Kontraindikation Keine angegeben [1,3].
* Q0 = Extrarenal ausgeschiedener bioverfügbarer Dosisanteil bei normaler Nierenfunktion
** HWZ = Dominante Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion
 
Klinisches Management
Für diesen Arzneistoff kann eine Dosisreduktion (bzw. eine Verlängerung des Dosisintervalls) bei eingeschränkter Nierenfunktion nach dem Q0-Konzept berechnet werden.
Der Hersteller empfiehlt die Dosis wie folgt zu reduzieren [1,3]:
Orale Applikation:
- Herpes-simplex-Infektion
- - Kreatinin-Clearance <10 ml/min: 200 mg 2 mal täglich (alle 12 h).
- Herpes-zoster-Infektion
- - Kreatinin-Clearance <10 ml/min: 800 mg 2 mal täglich (alle 12 h).
- - Kreatinin-Clearance 10-25 ml/min: 800 mg 3 mal täglich (alle 8 h).
Intravenöse Applikation:
- Generell: über 1 Stunde infundieren; Dehydratation vermeiden.
- Kreatinin-Clearance >50 ml/min: Dosis = 100 %, Dosierungsintervall = 8 h
- Kreatinin-Clearance 25-50 ml/min: Dosis = 100 %, Dosierungsintervall = 12
- Kreatinin-Clearance 10-25 ml/min: Dosis = 100 %, Dosierungsintervall = 24 h
- Hämodialyse-Patienten: Dosis = 50 %, Dosierungsintervall = 24 h (zusätzlich 50% nach der Hämodialyse)
- CAPD: Dosis = 50 %, Dosierungsintervall = 24 h
Bei kontinuierlicher Nierenersatzbehandlung sollte folgende Dosierung erwogen werden [7]
- CVVH: Dosis = 100 %, Dosierungsintervall = 24 h
- CVVHDF: Dosis = 100 %, Dosierungsintervall = 12 h.
 
Aktuelle Nierenfunktion
Bitte Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin Ihres Patienten eingeben:
Kreatinin-
Schätz-
clearance
  (150 - Alter Jahr) × Gewicht kg × k  
  =  
  =   ml/min
  Serumkreatinin  
 
k = Geschlechtskonstante
Die Schätzgleichung darf nicht angewendet werden:
  • Bei instabiler Nierenfunktion (Kreatinin nicht im Steady State)
  • Bei Dialyse-Patienten
 
Individuelle Aciclovir-Elimination
Der Berechnung liegt eine Kreatinin-Schätzclearance von ml/min zugrunde.
Die geschätzte Ausscheidungskapazität Ihres Patienten beträgt % der Ausscheidungskapazität eines Nierengesunden.
Damit beträgt die geschätzte Eliminations-Halbwertszeit   h.
 
Dosisoptimierung
1) Erniedrigung der Erhaltungsdosis auf % der Dosis eines Nierengesunden (Dosierungsintervall unverändert) oder
2) Verlängerung des Dosierungsintervalls um den Faktor (Erhaltungsdosis unverändert) oder
3) Kombination von 1) und 2), damit Therapieschema praktikabel ist.
 
Referenzen
  1. Fachinformation Aciclovir-ratiopharm (Tabletten), Stand März 2010
  2. Smith JP, Weller S, Johnson B, Nicotera J, Luther JM, Haas DW. Pharmacokinetics of Acyclovir and Its Metabolites in Cerebrospinal Fluid and Systemic Circulation after Administration of High-Dose Valacyclovir in Subjects with Normal and Impaired Renal Function. Antimicrob Agents Chemother 2010;54:1146-51.
  3. Fachinformation Aciclovir-ratiopharm (Infusionslösung), Stand März 2008
  4. Laskin OL, Longstreth JA, Whelton A, Krasny HC, Keeney RE, Rocco L, Lietman PS. Effect of renal failure on the pharmacokinetics of acyclovir. Am J Med 1982;73:197-201.
  5. Hellden A, Odar-Cederlöf I, Diener P, Barkholt L, Medin C, Svensson J-O, Säw J, Stahle L. High serum concentrations of the acyclovir main metabolite 9-carboxymethoxymethylguanine in renal failure patients with acyclovir-related neuropsychiatric side effects: an observational study. Nephrol Dial Transplant 2003;18:1135-41.
  6. Haefeli WE, Schoenenberger RA, Weiss P, Ritz RF. Acyclovir-induced neurotoxicity: concentration-side effect relationship in acyclovir overdose. Am J Med 1993;94:212-5.
  7. Heintz BH, Matzke GR, Dager WE. Antimicrobial dosing concepts and recommendations for critically ill adult patients receiving continuous renal replacement therapy or intermittent hemodialysis. Pharmacotherapy 2009;29:562-77.
  8. Fachinformation Acic® 500 mg, Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung, Stand November 2013
 
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Letzte Aktualisierung: 24.04.2015